Meine Schuhe und La Paz

Nach einer entspannten Busfahrt, bin ich gestern am frühen Abend in La Paz, der auf 3500m weltweit höchstgelegenen Verwaltungshauptstadt, angekommen.

Mein Hostel liegt sehr zentral und ich bin aktuell noch alleine in einem 6-Bett-Zimmer mit eigenem Bad.

Noch vor meiner Ankunft hatte ich mögliche Schuhreparaturwerkstätten recherchiert, weil langsam pressiert es. Beide Schuhsohlen lösen sich vorne immer mehr ab und der Sekundenkleber, den ich dabei habe hält nicht. 😬

Zudem ist es hier kälter und die Gassen mit ihrem welligen Kopfsteinpflaster sind teilweise so steil und holprig, dass ich mit meinen Flipflops, die ebenfalls schon starke Abnutzungsspuren aufweisen, auch nicht weiter komme.

Der erste Weg führte mich also heute Morgen zu der Reparaturwerkstätte, die es dann tatsächlich aber nicht mehr gab. Auch sämtliche Schuh- und Outdoorgeschäfte, an denen ich vorbeikam, verkauften nur neue Schuhe, ohne Reparaturservice.

Weil meine aktuellen Wanderschuhe auch einen ideelen Wert besitzen – sie stammen von meiner verstorbenen Mutter – habe ich mir nur schweren Herzens, für umgerechnet knapp 50 Euro, schließlich doch ein paar neue Schuhe gekauft und lediglich die Schuhbänder der alten behalten. – Das Schuhproblem wäre jetzt allerdings gelöst.

Meine neuen Schuhe, die jetzt hoffentlich bis zum Ende meiner Reise halten. Später bin ich dann zufällig doch noch an einer Reparaturwerkstatt vorbei gekommen, aber leider zu spät… 🫤

Mit den neuen Schuhen habe ich mich dann direkt zum Hexenmarkt aufgemacht, einem Verkaufsviertel mit vielen bunten Geschäften, die hauptsächlich typisch bolivianische Souvenirs und Kleidung anbieten, aber auch Heilkräuter, -säfte und -salben.

Hexenmarkt

Wie ich auf der späteren Free Walking Tour erfahren habe, gibt es hier wirklich sog. Witches und Warlocks, die ihre Dienste in Form von Cocaleaf Readings anbieten. Weil ich neugierig bin, werde ich das morgen mal ausprobieren. 😃

Außerdem findet man vor und in einigen Geschäften getrocknete Lamaföten aufgehängt, die zum Einen signalisieren, dass es hier eine Hexe gibt und die zum Anderen für Opferungen an Pachamama (Mutter Erde) verwendet werden.

Diese Lamaföten sind schon sehr groß; es gibt sie auch noch kleiner und vertrockneter.

In Bolivien glauben die Menschen an zwei Dinge: an Pachamama und an die Bibel, entweder an beides gleichzeitig oder nur an eines.

Die Stadtführung war wirklich sehr aufschlussreich und interessant hinsichtlich des Glaubens der Bolivianer, der Stadtentstehung und Aufteilung von La Paz, der politischen Situation und vor allem auch des Gefängniswesens worüber ich morgen noch mehr berichten werde, wenn ich Crazy Dave getroffen habe, einen ehemaligen Häftling, der jetzt obdachlos ist und jeden Tag um 13 Uhr vor dem Gefängnis seine Geschichte erzählt, um sich ein paar Bolivianos dazuzuverdienen.

Der Grünstreifen in der Mitte ist ein überbauter Fluss. Links davon haben nach der Eroberung durch die Spanier weiter die armen Indigenen gelebt, rechts davon die reichen Eroberer.
Calle Jaen; hier haben die reichsten der Reichen gelebt.
Das von den Spaniern beeinflusste Stadtgebiet ist systematisch in Blocks mit geraden Straßen aufgeteilt, während die Straßen auf der indigenen Seite kreuz und quer verlaufen.
indigene Seite; wobei es diese Aufteilung heute nicht mehr gibt.
Tolle Stadtführung mit John aus Kanada, der zu Beginn von Corona erst hier feststeckte und seitdem hier lebt; r. Alina aus der Schweiz

Vor der Stadführung bin ich noch mit der Seilbahn an den Rand der Stadt gefahren. La Paz befindet sich, ähnlich wie Kathmandu, in einem Kessel umgeben von Bergen, mit einer tollen Aussicht von oben.

La Paz hat ein sehr modernes Seilbahnnetz, mit dem man sehr günstig, nämlich für umgerechnet 40 Cent pro Fahrt, über die Stadt hinwegschweben kann.
La Paz von oben
Die meisten Häuser sind hier aus roten Ziegelsteinen gebaut.
schneebedeckte Berge im Hintergrund

Gut, dass ich meine Pläne geändert habe und hierher gekommen bin. Bei dem geplanten Spanischkurs in Cusco hätte ich wahrscheinlich wieder bei null angefangen.

Wenn mich die Leute hier Spanisch reden hören, fangen die meisten gleich an auf einem besseren Level Englisch mit mir zu sprechen, so dass letztendlich immer eine Verständigung zustande kommt… 😊

1 Kommentar

  1. Avatar von Manuela Humbach Manuela Humbach sagt:

    hallo, ich konnte deinen sehr interessanten Bericht erst heute lesen. LaPas ist ja riesig! Diese Einkaufsstraße mit den Schirmen sehr schön! Wieder eine andere Welt! 😄 So wunderbar! 😻 LG Manuela

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