Hexen und Strafvollzug

Der Strafvollzug in La Paz ist wirklich einmalig und sollte eigentlich nur ein soziales Experiment werden. Die meisten aller meiner Kollegen und ich wären hier arbeitslos.

Seit 2002, also seit mittlerweile über 20 Jahren, gibt es im Gefängnis „San Pedro“ mitten in La Paz, neben dem belebten Plaza de Sucre, nur noch ein paar korrupte Torwachbeamte und einen Leiter, der die Insassen zu 100% sich selbst überlässt.

Es soll nur äußere Sicherheit durch den Staat gewährleistet werden, was sich hinter den Maurrn abspielt regeln die Gefangenen unter sich selbst. Es gibt eine strenge Hierarchie, abhängig von Persönlichkeit, Delikt und Haftdauer.

Der Knast wurde ursprünglich für rund 400 Gefangene gebaut. Aktuell befinden sich in dem Männervollzug ca. 2000 Personen, darunter Frauen und Kinder.

Das Wohlergehen und die Sicherheit der Insassen hängen ganz einfach davon ab, wieviel einer zahlt. Es gibt acht Sektionen, von gemeinsam irgendwo auf dem Boden schlafen bis zu richtigen Apartments, mit Fernseh, Telefon, Internet usw.

Ansonsten gleicht das Leben drinnen sehr stark dem draussen und es gibt alles, was es sonst auch in einer Stadt gibt, Restaurants, Friseur, Arbeitsbetriebe usw. , sogar eine Kokainfabrik.

Wer sich eine eigene Zelle oder Apartment leisten kann, kann auch Frau und Kinder zu sich holen, die aber jederzeit raus dürfen. Es gibt sogar einen internen Kindergarten, zur Schule gehen die Kinder aber raus. Daneben finden dann 1 – 4 Morde unter den Häftlingen im Monat statt. Wer in dieses Gefängnis kommt entscheidet der Richter, es gibt nämlich auch noch eine reguläre Haftanstalt in La Paz.

Das klingt alles unvorstellbar, findet aber tatsächlich so statt.

Torwachbereich; hier findet ein reges rein und raus statt. Bewacht wird das Ganze aussen von einem Uniformierten mit Maschinengewehr und Einem oder Zwei, die die Tür auf- und zumachen.
Die Zusammenarbeit zwischen den Beamten und den Gefangenen scheint gut zu funktionieren. Für ein entsprechendes Entgelt drücken die Beamten bei so gut wie allem beide Augen zu. Ein Ausbruch ohne gültige Papiere lohnt sich hier nicht.
Die Türme sind unbewacht
An der höchsten Stelle ist die Mauer ungefähr 10 Meter hoch. Bei den kleinen Läden am Fuße der Mauer handelt es sich ausschließlich um Wein- und Spirituosenläden. 🤣

Täglich um 13 Uhr kommt der obdachlose und ehemalige Häftling Crazy Dave auf den Plaza de Sucre, gegenüber von der Anstalt und erzählt seine Lebensgeschichte und von seiner Zeit in San Pedro. Er scheint dabei nicht schlecht zu verdienen… Ich habe ihn nur schlecht verstanden und ihm am Ende auch nur einen Bruchteil des „Tips“ von manch anderem gegeben. Er war wegen Drogenschmuggels 14 von 16 Jahren in Haft und ich finde es keine Leistung jeden Tag einfach nur eine Stunde lang die eigene (kriminelle) Geschichte zu erzählen. Den „Verdienst“ setzt er vermutlich eh sofort wieder um. 🙈

Danach war ich mit Alina und John, dem Stadtführer, der für uns ins Englische übersetzte, noch bei einer Hexe für ein Cocaleaf Reading. Das dauerte ca. 15 Minuten und es war wirklich erstaunlich, was sie wusste. Hexe oder Warlock wird man auf 2 Arten: Entweder ist man das Kind einer Hexe und wird dann bei entsprechenden Fähigkeiten von ihr ausgebildet oder man überlebt einen Blitzschlag unbeschadet.

Cocaleaf Reading
Hier wieder die Lamföten, die signalisieren, dass hier eine Hexe ist
Mit der Schweizerin Alina

Am Vormittag sind wir noch mit einigen Seilbahnen über einen Großteil von La Paz geschwebt und haben den tollen Ausblick auf die Stadt genossen.

Moderne Hochhäuser im Zentrum
ein Urnenfriedhof
Je höher und weiter man an den Stadtrand kommt, umso ärmer werden die Verhältnisse, dafür haben sie hier eine tolle Sicht auf die Stadt.

Für mich geht es jetzt mit dem Nachtbus weiter nach Uyuni.

1 Kommentar

  1. Avatar von Manuela Humbach Manuela Humbach sagt:

    Es hätte mich schon interessiert, was die Hexe dir erzählt hat. Gute Weiterreise! LG Manuela

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